Jaa, es gibt einen Grund warum die Festivalberichterstattung ziemlich kurz ausgefallen ist - obwohl es wirklich ne Menge Erzählstoff gab, aber jeder der schonmal auf einem Festival war, und das sind ja heutzutage sehr viele Leute, weiß wie es da so abgeht: Wie es sich anfühlt, die eigenen Lieblingsbands auf so großen Bühnen mitzuerleben, stetige Trunkenheit, Ekelhafte Toiletten; Wenn alles im strömenden Regen ersäuft, sich ein riesen Acker in ein Schlammcatchfeld verwandelt und was für Totalfreaks da in imposanten Outfits rumrennen, meist mit der Einstellung "Weniger ist Mehr" - Unschön anmutende Männer in neonorangen Netzstrumpfhosen und gleichfarbigen Tütü's mit nix drunter [ieeh!], Halbstarke in Frauenklamotten [wie kreativ...] und Geschmacksverwirrte Kerlchen in lustigen Tierkostümen oder Gruppen-Einheits-Erkennungsoutfits [aha...]
Aber egal. Kaum in Berlin angekommen, wurde mir gestern die ehrenwerte Aufgabe zuteil, die Wardrobe Princess von Jack White und seiner kompletten Gefolgschaft zu sein! Geil!
Mit Nähmaschine und Bügeleisen bewaffnet, hab ich mich fast zu Tode zum Tempodrom in Kreuzberg geschleppt, die nette Veranstaltungsfirmenfamily, sowie Tourmanagement und Band kennengelernt und wurde Backstage in die Lounge verfrachtet, wo ich mein Arbeitsplätzchen aufbaute. Ein wichtiges Walky-Talky-Telephone wurde mir in die Hand gedrückt, Strom und Lampen organisiert, meine Juki [Nähmaschine], sowie Bügelstation und eine Dampfmaschine aufgebaut und Containerweise Garderobe und Klamotten von unzähligen Crewmitgliedern angerollt, um die ich mich dann zu kümmern hatte. Viel zutun, viel Stress aber es war großartig. Alle waren unverschämt lieb und vor allem die Mädels waren ganz begeistert darüber, dass endlich mal jemand die abgefallenen Ärmel und aufgerissenen Reißverschlüsse ihrer wunderschönen Bühnenoutfits repariert hat. Hier und da noch etwas enger gemacht und den Jungs bei der schwierigen Entscheidung, ob sie Hosenträger oder Gürtel anziehen sollen, geholfen.
Nachdem Jack zuvor ein Interview in der Lounge geben hat, in der ich gewerkelt hab, saß der mit seinen Leuten im Raum gegenüber und alle haben fröhlich laut Musik gemacht. Die Tür war offen. Und als ich vom Klo kam stand er auf einmal vor mir.
Verwirrt wie immer, fiel mir nix besseres ein als einfach nur "Hi" zu sagen. Und Jack White sagte auch "Hi" und guckte mich ein paar Sekunden zu lange an, sodass ich mich genötigt fühlte noch irgendwas zu sagen. Raus kam ein: "Äähm, my Name is Vickie" - und er: "Hi, i am Jack" - und ich: "Nice to meet you" - und er: "Nice to meet you" und schwupp war ich auch schon davongerannt, haha. Weder Verlegen noch Aufgeregt, war ich nur ein bisschen Perplex. Es läuft einem ja auch nicht jeden Tag ein wirklich äußerst freundlicher und liebenswürdiger Jack White entgegen, wenn man grad vom Klo kommt.
Mit den anderen Bandjungs war es um einiges unbefangener zu plaudern und halbnackt gesehen hab ich sie auch alle. Was für ein netter Job. Den letzten Song [natürlich SevenNationArmy] hab ich mir noch von neben der Bühne angesehen [hey, so'n Publikum sieht ja interessant aus, wenn man nicht mittendrin, sondern ihm gegenübersteht - ein unglaublicher Perspektivwechsel!] und im Catering durfte ich Seitanroulade mit leckerem Bratgemüse naschen.
Nach diesem unglaublich tollen Backstage- Arbeitstag stolperte ich völlig erschöpft aber glücklich aus dem Tempodrom, wo noch eine Horde Groupies neben dem Tourbus gelungert und mich darum gebeten hat, doch endlich mal Jack White ausm Tempodrom rauszuholen.
Dabei lag der schon im neben den Groupies stehenden Tourbus und hat geschlafen. War bestimmt genauso erschöpft wie ich...





