Donnerstag, 14. Februar 2013

To Live in the Hearts of those we Love is not to Die

Die Tage waren aufregend und vollgepackt mit Erlebnissen. Nach einer Wahnsinns Arbeitswoche in der Redaktion war ich als Berlinerin zum ersten Mal beim Kölner Karneval. Heute früh wollte ich nach den wohltuenden freien Tagen wieder in die Redaktion, da klingelte es plötzlich an der Tür. Die völlig verheulte Stimme meiner Mama bat ob sie kurz reinkommen dürfte, da war mir schon alles klar. Oben angekommen brachte sie unter Tränen hervor, was mir in den wenigen Augenblicken schon bewusst wurde, "Opi ist gestorben" schluchzte sie und wir fielen uns zitternd und weinend in die Arme.

Der Tag war trüb, einige Stunden und viele Tränen später bin ich in zwecks Ablenkung in die Redaktion gefahren. Unreal. Es ist so unreal. 
Gestern habe ich mich noch darüber gefreut, dass er in zwei Wochen Geburtstag hat, es schafft sein 83. Lebensjahr noch zu erreichen. Jetzt soll er wenige Tage vorher unter die Erde gelegt werden. Unreal. 
Als das jüngste von fünf Enkelkindern bin ich die Einzige auf dessen Hochzeit er nicht sein wird, wenn ich denn mal heirate. Er wird nie mein Kind kennenlernen, wenn ich mal eins bekomme. Er wird nicht mehr mit uns in seine Heimatstadt Posen fahren. Es gibt so viele Erinnerungen und so viel was nicht mehr geht. Das letzte Bild ist das, eines auf fünfzig Kilo abgemagerten Mannes im Krankenbett, der in seinem Leben viel geschafft hat, im Krieg geflohen ist, eine tolle Familie gegründet hat, fast einen wichtigen Landwirtschaftspreis bekommen hätte, sich 3 Trabbis erarbeitete und sich immer an einem Bierchen und ner Kippe erfreuen konnte. Jemand der mir einen echten Maulwurf gezeigt hat, mir alles über Tiere und Pflanzen erklärte, einer der mir die unssinnigsten Gedichte lehrte, von denen ich bis heute noch alle kann, jemand der mit mir Bretterbuden gebaut und Omas leckere Nudeln versteckt hat, damit wir sie später allein aufessen können. Einer, der gerne im Keller den Ofen befeuert hat, um das Haus zu heizen, nebenher immer ein Zigarettchen und eine Geschichte aus dem Leben. Mein Verstand will da nicht mitmachen. Ich möchte zu ihm gehen und ihn in den Arm nehmen. Aber es ist dunkel und kalt. Und während ich morgen früh zumindest das Grau am Himmel wiedersehen kann, bleibt es für ihn dunkel und kalt. Für immer. 
Unreal. 


"Da liegt er nun in diesem kleinem Bett in diesem kleinen Krankenhauszimmer.
Die dürren Beinchen unter der Bettdecke angewinkelt. Ein Schlauch vom Tropf im Arm. Dünn, überseht mit Flecken. Und guckt mich an, mit seinen Augen. Mit Erstaunen stelle ich nach 24 Jahren zum ersten Mal fest, dass wir alle seine Augen haben. Ich habe seine Augen. Die Mutti und die Tante auch. So irgendwie. Nur dass seine Augen heller sind als meine, irgendwie Bernsteinfarbiger. Aus ihren blitzt ein Lebenswille, den der Körper nicht mehr hat..." - Neujahr im Krankenhaus

(Ich war immer verärgert, dass ich nicht die eisblauen Augen meines Vaters oder wenigstens die katzengrüne Farbe der Augen meiner Halbschwester geerbt habe. 
Ich werde nie wieder darüber jammern, denn ich habe die Augen meines Großvaters.) 

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